Antipanikbeleuchtung ist der Teil der Sicherheitsbeleuchtung, der in größeren Räumen ohne ausgewiesene Rettungswege bei Stromausfall Panik verhindern und das Erreichen eines Rettungswegs ermöglichen soll. Nach DIN EN 1838 muss sie mindestens 0,5 lx horizontal auf der freien Bodenfläche erreichen, wobei ein 0,5 m breiter Randstreifen an den Wänden nicht mitzählt, bei einer Gleichmäßigkeit von höchstens 40 : 1. Ob ein Raum Antipanikbeleuchtung braucht, ergibt sich aus Raumgröße, Nutzung, Gefährdungsbeurteilung und Bauordnungsrecht.
Was ist Antipanikbeleuchtung?
Antipanikbeleuchtung ist der Teil der Sicherheitsbeleuchtung, der Panik vermeiden und Personen ermöglichen soll, eine Stelle zu erreichen, von der aus ein Rettungsweg erkannt werden kann. Die DIN EN 1838 nennt sie im englischen Original open area lighting, also Flächenbeleuchtung. Sie ist neben der Rettungswegbeleuchtung und der Beleuchtung von Arbeitsplätzen mit besonderer Gefährdung eine der drei Arten der Sicherheitsbeleuchtung, siehe Arten der Notbeleuchtung.
Der Gedanke dahinter: Fällt in einem großen Raum das Licht aus, sehen Menschen weder Hindernisse noch Ausgänge. Es entsteht Unsicherheit, im ungünstigen Fall Gedränge. Eine Grundhelligkeit auf der gesamten Fläche sorgt dafür, dass Personen Möbel, Regale, Stufen und andere Menschen erkennen und sich geordnet zum nächsten Rettungsweg bewegen können. Antipanikbeleuchtung ist damit Orientierungslicht für Flächen, Rettungswegbeleuchtung Orientierungslicht für Wege.
Welche Anforderungen stellt DIN EN 1838?
| Kriterium | Anforderung an Antipanikbeleuchtung |
|---|---|
| Beleuchtungsstärke | mind. 0,5 lx horizontal auf dem Boden |
| Bewertete Fläche | freie Bodenfläche (Kernfläche), ohne 0,5 m breiten Randstreifen an den Wänden |
| Gleichmäßigkeit | Emax : Emin höchstens 40 : 1 |
| Einschaltzeit | 50 % nach 5 s, 100 % nach 60 s |
| Bemessungsbetriebsdauer | mind. 1 h, nach Bauordnungsrecht häufig länger |
| Farbwiedergabe | mind. Ra 40 |
| Blendung | Begrenzung der Lichtstärke im Blickfeld abhängig von der Montagehöhe |
Die Werte sind Mindestwerte über die gesamte Betriebsdauer: Sie müssen auch am Ende der Bemessungsbetriebsdauer und bei gealterten, verschmutzten Leuchten erreicht werden. Reflexionen von Wänden und Decke bleiben bei der Bemessung in der Regel unberücksichtigt, gerechnet wird nur mit dem direkten Licht der Leuchten. Alle Lux-Werte der Sicherheitsbeleuchtung im Vergleich finden Sie unter Beleuchtungsstärke der Notbeleuchtung.
Was bedeutet „Kernfläche ohne 0,5 m Randstreifen“?
Die Kernfläche ist die Bodenfläche eines Raums abzüglich eines 0,5 m breiten Streifens entlang aller Wände. Der Randstreifen wird ausgenommen, weil sich dort selten Personen bewegen und weil die Beleuchtungsstärke an Wänden naturgemäß abfällt.
Beispiel: Ein Raum misst 20 × 12 m, also 240 m². Die Kernfläche misst (20 − 1) × (12 − 1) m = 19 × 11 m = 209 m². Auf dieser Fläche muss an jedem Punkt mindestens 0,5 lx erreicht werden, und die hellste Stelle darf höchstens 40-mal so hell sein wie die dunkelste.
Wo ist Antipanikbeleuchtung erforderlich?
Eine feste, europaweit verbindliche Flächengrenze gibt es nicht. Die DIN EN 1838 beschreibt, wie Antipanikbeleuchtung ausgeführt werden muss; ob sie erforderlich ist, ergibt sich aus nationalem Recht, der Gefährdungsbeurteilung und dem Brandschutzkonzept. Als Orientierung wird häufig eine Raumgröße von mehr als 60 m² genannt, etwa in der britischen Praxis nach BS 5266-1. Auch kleinere Räume können betroffen sein, wenn ein Rettungsweg durch sie hindurchführt oder viele ortsunkundige Personen anwesend sind.
Typische Bereiche:
- Verkaufsräume und Ladenflächen
- Versammlungsräume, Säle, Foyers, Mensen und Kantinen
- Großraumbüros und Schulungsräume
- Sporthallen, Turnhallen und Mehrzweckhallen
- Produktions- und Lagerhallen ohne festgelegte Gänge
- Restaurants, Bars und Clubs
- Wartebereiche in Praxen, Behörden und Verkehrsbauten
In Deutschland verlangen insbesondere Sonderbauvorschriften für Versammlungs- und Verkaufsstätten eine Sicherheitsbeleuchtung, die solche Flächen einschließt. In Arbeitsstätten entscheidet die Gefährdungsbeurteilung nach ASR A2.3 und ASR A3.4. Wann Sicherheitsbeleuchtung allgemein gefordert ist, erklärt der Artikel Wann ist Notbeleuchtung Pflicht?. Maßgeblich für ein konkretes Gebäude sind Baugenehmigung und Brandschutzkonzept.
Was unterscheidet Antipanik- und Rettungswegbeleuchtung?
| Merkmal | Antipanikbeleuchtung | Rettungswegbeleuchtung |
|---|---|---|
| Zweck | Orientierung auf Flächen, Rettungsweg erreichen | festgelegten Rettungsweg sicher benutzen |
| Bewertete Fläche | Kernfläche ohne 0,5 m Rand | Mittellinie und mittleres Band, Wege bis 2 m Breite |
| Mindestwert | 0,5 lx | 1 lx auf der Mittellinie |
| Gleichmäßigkeit | höchstens 40 : 1 | höchstens 40 : 1 auf der Mittellinie |
| Typische Optik | breit, rotationssymmetrisch | länglich, Flurlinse |
| Typische Orte | Hallen, Säle, Verkaufsflächen | Flure, Treppen, Ausgänge |
Beide Arten kommen oft im selben Raum vor. Führt ein festgelegter Rettungsweg durch eine Halle, gilt auf diesem Weg 1 lx, auf der übrigen Fläche 0,5 lx. Zusätzlich gelten an Ausgängen, Treppen, Richtungswechseln und an Sicherheitseinrichtungen wie Feuerlöschern eigene Anforderungen, etwa 5 lx vertikal an Feuerlöschern und Erste-Hilfe-Stellen.
Wie plant man Antipanikbeleuchtung richtig?
Eine normgerechte Antipanikbeleuchtung entsteht durch Berechnung, nicht durch Schätzen. Bewährt hat sich folgendes Vorgehen:
- Flächen abgrenzen: Im Grundriss Antipanikflächen, Rettungswege und Pflichtstandorte wie Ausgänge, Treppen und Sicherheitseinrichtungen markieren.
- Kernfläche bestimmen: 0,5 m Randstreifen abziehen. Fest eingebaute Einrichtungen wie Regale oder Tresen beeinflussen die Lichtverteilung und sollten im Modell berücksichtigt werden.
- Montagehöhe festlegen: Sicherheitsleuchten werden nach DIN EN 1838 mindestens 2 m über dem Boden montiert. Mit größerer Höhe wachsen die möglichen Abstände, die Beleuchtungsstärke am Boden sinkt aber.
- Lichtberechnung mit LDT-Daten: Mit den Lichtstärkeverteilungen der Leuchten (EULUMDAT) berechnen Programme wie DIALux oder Relux die Beleuchtungsstärke im Notbetrieb, ohne Reflexionsanteile.
- Abstandstabellen prüfen: Hersteller geben für ihre Optiken maximale Leuchtenabstände für 0,5 lx bei verschiedenen Montagehöhen an. Sie eignen sich für die Vorplanung, ersetzen bei komplexen Räumen aber keine Berechnung.
- Gleichmäßigkeit kontrollieren: Wenige sehr helle Leuchten erzeugen leicht Lichtinseln und überschreiten das Verhältnis 40 : 1. Mehrere Leuchten mit mittlerem Lichtstrom ergeben meist das bessere Ergebnis.
- Ergebnis dokumentieren: Berechnung und Leuchtenplan gehören zur Anlagendokumentation.
Praxistipp: Planen Sie Antipanikflächen nach der späteren Möblierung, nicht nach dem leeren Raum. Hohe Regale, Trennwände oder Bühnenaufbauten werfen Schatten, in denen die 0,5 lx schnell unterschritten werden. Ändert sich die Einrichtung, sollte die Berechnung überprüft werden.
Welche Leuchten eignen sich?
Für Antipanikflächen werden Leuchten mit breiter, rotationssymmetrischer Lichtverteilung eingesetzt, die eine große Kreisfläche gleichmäßig ausleuchten. Weitwinkeloptiken mit etwa 140° Abstrahlwinkel sind typisch. Flurlinsen mit länglicher Verteilung sind dagegen für Rettungswege optimiert und auf Flächen weniger effizient.
Übliche Bauformen:
- Kompakte Sicherheitsleuchten zur Decken- oder Einbaumontage, in Bereitschaftsschaltung
- Einbau-Downlights mit Notlichtfunktion, die sich unauffällig in abgehängte Decken integrieren
- Allgemeinleuchten mit Notstromtreiber, etwa Hallenstrahler oder LED-Panels, die bei Netzausfall mit reduzierter Leistung weiterleuchten
NOTLUX bietet dafür das Notlicht kompakt mit 700 lm und das Einbau-Downlight mit 500 lm an, beide wahlweise mit 140°-Optik für Flächen oder 135 × 55°-Optik für Wege.
In hohen Hallen ist auf ausreichenden Lichtstrom zu achten, in Räumen mit niedriger Decke auf geringe Abstände. In beiden Fällen sind Selbsttestleuchten nach DIN EN 62034 hilfreich, weil schwer zugängliche Leuchten dann nicht für jeden Test einzeln angesteuert werden müssen.
Was gilt für Betrieb und Prüfung?
Antipanikbeleuchtung ist Sicherheitsbeleuchtung und wird wie diese geprüft: nach DIN EN 50172 monatlich eine Funktionsprüfung und jährlich ein Betriebsdauertest über die volle Bemessungsbetriebsdauer, jeweils mit Eintrag ins Prüfbuch. Bei Sonderbauten kommen wiederkehrende Prüfungen durch Prüfsachverständige hinzu. Die Fristen im Detail stehen unter Prüffristen für Notbeleuchtung.
Häufige Fragen
Wie viel Lux braucht eine Antipanikbeleuchtung?
Nach DIN EN 1838 mindestens 0,5 lx horizontal auf dem Boden der Kernfläche, also der Raumfläche ohne einen 0,5 m breiten Randstreifen an den Wänden. Das Verhältnis von größter zu kleinster Beleuchtungsstärke darf höchstens 40 : 1 betragen.
Ab welcher Raumgröße ist Antipanikbeleuchtung nötig?
Eine einheitliche Grenze legt DIN EN 1838 nicht fest. Häufig wird als Orientierung eine Fläche von mehr als 60 m² genannt, etwa in der britischen BS 5266-1. Verbindlich sind nationales Recht, Gefährdungsbeurteilung, Baugenehmigung und Brandschutzkonzept.
Warum wird der 0,5 m breite Randstreifen nicht berücksichtigt?
Entlang der Wände bewegen sich bei einer Räumung kaum Personen, und die Beleuchtungsstärke fällt dort physikalisch bedingt ab. Die Norm bewertet deshalb nur die Kernfläche, auf der sich Menschen tatsächlich orientieren müssen.
Kann die Allgemeinbeleuchtung als Antipanikbeleuchtung dienen?
Ja, wenn einzelne Leuchten der Allgemeinbeleuchtung mit Notstromtreibern ausgestattet oder an eine Zentralbatterie angeschlossen sind und die Anforderungen der DIN EN 1838 im Notbetrieb erfüllen. Die Leuchten müssen dann die Anforderungen an Notleuchten erfüllen und in die Prüfungen einbezogen werden.
Welcher Abstrahlwinkel eignet sich für Antipanikflächen?
Breite, rotationssymmetrische Optiken mit etwa 140° Abstrahlwinkel leuchten große Flächen gleichmäßig aus und erlauben große Abstände. Flurlinsen mit länglicher Verteilung sind für Rettungswege gedacht. Die passenden Abstände ergeben sich aus der Lichtberechnung oder den Abstandstabellen des Herstellers.
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