Die Erkennungsweite eines Rettungszeichens berechnet sich nach d = z × h: Höhe des Piktogramms mal Distanzfaktor, mit z = 100 für angestrahlte und z = 200 für hinterleuchtete Zeichen. Ein hinterleuchtetes Zeichen mit 15 cm Piktogrammhöhe ist also bis 30 m erkennbar, ein angestrahltes gleicher Größe nur bis 15 m. Rettungszeichen nach DIN ISO 7010 gehören an jeden Ausgang und jeden Richtungswechsel, sodass von jedem Punkt des Rettungswegs ein Zeichen sichtbar ist.
Was sind Rettungszeichen nach DIN ISO 7010?
Rettungszeichen sind grün-weiße Sicherheitszeichen, die Rettungswege, Notausgänge und Rettungseinrichtungen kennzeichnen. Gestaltung und Bedeutung sind international in der ISO 7010 festgelegt, in Deutschland als DIN EN ISO 7010. Für Arbeitsstätten konkretisiert die ASR A1.3 die Anwendung. Die wichtigsten Rettungszeichen:
| Code | Bedeutung | Einsatz |
|---|---|---|
| E001 | Notausgang (links) | Ausgang bzw. Weg nach links |
| E002 | Notausgang (rechts) | Ausgang bzw. Weg nach rechts |
| E003 | Erste Hilfe | Erste-Hilfe-Einrichtungen |
| E004 | Notruftelefon | Notrufeinrichtungen |
| E007 | Sammelstelle | Sammelplatz im Freien |
| E010 | Automatisierter externer Defibrillator (AED) | Standort eines Defibrillators |
E001 und E002 werden in der Regel mit einem Richtungspfeil als Zusatzzeichen kombiniert. Brandschutzzeichen wie F001 (Feuerlöscher) sind rot-weiß und gehören zu einer eigenen Kategorie, müssen im Notbetrieb aber ebenfalls erkennbar sein – siehe Beleuchtungsstärke der Notbeleuchtung.
Angestrahlt oder hinterleuchtet: Was ist der Unterschied?
Rettungszeichen müssen bei Stromausfall erkennbar bleiben. Dafür gibt es zwei Lösungen:
- Hinterleuchtetes (innenbeleuchtetes) Zeichen: Das Piktogramm ist Teil einer Rettungszeichenleuchte und wird von innen durchleuchtet. Es ist kontrastreich, gleichmäßig und bei gleicher Größe doppelt so weit erkennbar.
- Angestrahltes (außenbeleuchtetes) Zeichen: Ein Schild wird von einer Sicherheitsleuchte in der Nähe beleuchtet. Die Erkennbarkeit hängt stark davon ab, wie Leuchte und Schild zueinander positioniert sind.
Daneben gibt es langnachleuchtende Zeichen, die Licht speichern. Sie können eine elektrische Sicherheitsbeleuchtung in der Regel nicht ersetzen, sondern ergänzen sie, zum Beispiel in bodennahen Leitsystemen.
Wie berechnet man die Erkennungsweite?
DIN EN 1838 legt dafür eine einfache Formel fest:
d = z × h
- d ist die maximale Erkennungsweite in Metern.
- h ist die Höhe des Piktogramms in Metern.
- z ist der Distanzfaktor: 100 für angestrahlte und 200 für hinterleuchtete Zeichen.
Ein hinterleuchtetes Zeichen ist bei gleicher Größe also doppelt so weit erkennbar. Umgekehrt lässt sich die nötige Piktogrammhöhe aus der geforderten Distanz berechnen: h = d : z.
Rechenbeispiele
| Piktogrammhöhe h | Angestrahlt (z = 100) | Hinterleuchtet (z = 200) |
|---|---|---|
| 5 cm | 5 m | 10 m |
| 10 cm | 10 m | 20 m |
| 15 cm | 15 m | 30 m |
| 20 cm | 20 m | 40 m |
| 25 cm | 25 m | 50 m |
Beispiel: Ein Flur ist 26 m lang, das nächste Zeichen hängt am Ende. Ein angestrahltes Schild bräuchte mindestens 26 cm Piktogrammhöhe, ein hinterleuchtetes nur 13 cm. Die NOTLUX Rettungszeichenleuchte ist auf eine Erkennungsweite von 30 m ausgelegt und hat eine austauschbare Piktogramm-Folie, sodass sich Richtung oder Zeichen bei Umbauten ohne neue Leuchte ändern lassen.
Praxistipp: Rechnen Sie mit der Höhe des Piktogramms, nicht mit der Gehäusehöhe der Leuchte. Herstellerangaben zur Erkennungsweite sollten sich auf DIN EN 1838 beziehen.
Welche Leuchtdichte und welcher Kontrast sind gefordert?
Für beleuchtete Rettungszeichen legt DIN EN 1838 lichttechnische Mindestwerte fest:
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| Leuchtdichte der Sicherheitsfarbe (Grün) | mind. 2 cd/m² in allen relevanten Blickrichtungen |
| Gleichmäßigkeit innerhalb einer Farbe | Verhältnis von maximaler zu minimaler Leuchtdichte höchstens 10 : 1 |
| Kontrast Weiß zu Grün | Leuchtdichteverhältnis zwischen 5 : 1 und 15 : 1 |
| Einschaltverhalten | 50 % der Leuchtdichte nach 5 s, 100 % nach 60 s |
Ungleichmäßig ausgeleuchtete oder vergilbte Zeichen erfüllen diese Werte oft nicht mehr, auch wenn sie noch „leuchten“. Hinterleuchtete Zeichen erreichen die Gleichmäßigkeit konstruktiv deutlich leichter als angestrahlte.
Wo müssen Rettungszeichen hängen?
Grundprinzip: Von jedem Punkt eines Rettungswegs muss mindestens ein Rettungszeichen erkennbar sein, das zum nächsten Ausgang führt. Daraus ergeben sich typische Standorte:
- über oder direkt neben jedem Notausgang und jeder Ausgangstür im Rettungsweg,
- an jedem Richtungswechsel und jeder Kreuzung von Fluren,
- an Treppen, wenn die Laufrichtung nicht eindeutig ist,
- in langen Fluren in Abständen, die die Erkennungsweite nicht überschreiten,
- an Stellen, von denen der Ausgang nicht direkt sichtbar ist.
Zur Montagehöhe: Zeichen sollten möglichst im natürlichen Blickfeld hängen, aber oberhalb von Personen, Regalen und Türflügeln frei sichtbar bleiben. In der Praxis werden sie meist über Türen oder als Deckenabhängung montiert. Bei Verrauchung sammelt sich Rauch zuerst unter der Decke; in Gebäuden mit erhöhter Rauchgefahr kann deshalb eine niedrigere Montage oder ein bodennahes Leitsystem sinnvoll sein. Maßgeblich sind die Vorgaben aus Brandschutzkonzept und ASR A1.3.
Typische Fehler bei Rettungszeichen
- Zu kleine Zeichen für die tatsächliche Entfernung, oft weil angestrahlte Schilder wie hinterleuchtete gerechnet wurden.
- Verdeckte Zeichen durch Deko, Werbebanner, Regale, Deckensegel oder geöffnete Türflügel.
- Falsche Pfeilrichtung nach Umbauten oder geänderter Raumaufteilung.
- Gemischte Piktogramm-Generationen im selben Gebäude, die Personen verunsichern können.
- Angestrahlte Schilder ohne ausreichende Beleuchtung, weil die zugehörige Sicherheitsleuchte versetzt oder entfernt wurde.
- Fehlende Prüfung: Rettungszeichenleuchten gehören in die monatliche Funktionsprüfung, siehe Prüffristen.
Alte Piktogramme: Müssen sie ersetzt werden?
Vor der Einführung der ISO 7010 waren in Deutschland Rettungszeichen nach DIN 4844 bzw. BGV A8 verbreitet, mit einem anders gestalteten „laufenden Männchen“ und abweichender Tür- und Pfeildarstellung. Seit die DIN EN ISO 7010 und die ASR A1.3 gelten, sind die ISO-Zeichen der Standard für neue Anlagen.
Bestehende Zeichen müssen nicht in jedem Fall sofort getauscht werden. Spätestens bei Umbau, Erweiterung oder Austausch der Leuchten sollten sie jedoch auf ISO 7010 umgestellt werden, und eine Mischung alter und neuer Zeichen im selben Gebäude ist zu vermeiden. Ob ein Austausch erforderlich ist, ergibt sich aus Gefährdungsbeurteilung, Brandschutzkonzept und gegebenenfalls Auflagen nach einer Brandschau.
Häufige Fragen
Wie groß muss ein Rettungszeichen sein?
Die Größe ergibt sich aus der Erkennungsweite: Piktogrammhöhe h = Distanz d geteilt durch den Faktor z. Für 20 m braucht ein hinterleuchtetes Zeichen 10 cm Piktogrammhöhe, ein angestrahltes 20 cm.
Was bedeutet z = 100 und z = 200?
Das ist der Distanzfaktor nach DIN EN 1838. Für angestrahlte Zeichen gilt z = 100, für hinterleuchtete z = 200. Hinterleuchtete Zeichen sind dadurch bei gleicher Größe doppelt so weit erkennbar.
Welche Leuchtdichte muss ein Rettungszeichen haben?
Die grüne Sicherheitsfarbe muss nach DIN EN 1838 mindestens 2 cd/m² in allen relevanten Blickrichtungen erreichen. Das Verhältnis von maximaler zu minimaler Leuchtdichte innerhalb einer Farbe darf 10 : 1 nicht überschreiten.
Sind die alten Rettungszeichen mit dem laufenden Männchen noch zulässig?
Bestehende Zeichen nach alter DIN 4844 bzw. BGV A8 dürfen in vielen Fällen zunächst bleiben, neue Anlagen werden aber mit Zeichen nach DIN EN ISO 7010 ausgeführt. Bei Umbauten sollte umgestellt und eine Mischung vermieden werden.
Wie viele Rettungszeichen braucht ein Raum?
So viele, dass von jedem Punkt des Rettungswegs mindestens ein Zeichen erkennbar ist, das zum nächsten Ausgang führt. Abstände dürfen die Erkennungsweite der Zeichen nicht überschreiten, und an jedem Richtungswechsel ist ein Zeichen nötig.
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