DIN EN 1838 ist die europäische Norm für die lichttechnischen Anforderungen an Notbeleuchtung: Sie legt fest, wie hell Rettungswege, Antipanikflächen und Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung im Notbetrieb sein müssen, wie schnell das Licht da sein muss und wie gut Rettungszeichen erkennbar sein müssen. Typische Werte sind 1 lx auf der Mittellinie von Rettungswegen, 0,5 lx auf Antipanikflächen und 5 lx vertikal an Feuerlöschern und Erste-Hilfe-Stellen. Ob Notbeleuchtung überhaupt erforderlich ist, regelt nicht die Norm, sondern Bau- und Arbeitsstättenrecht.
Was ist DIN EN 1838?
DIN EN 1838 ist die deutsche Fassung der europäischen Norm EN 1838 „Angewandte Lichttechnik – Notbeleuchtung“. Sie beschreibt, welches Licht eine Sicherheitsbeleuchtung liefern muss, damit Personen bei Ausfall der allgemeinen Stromversorgung ein Gebäude sicher verlassen oder gefährliche Arbeitsabläufe beenden können. Dazu gehören Beleuchtungsstärken, Gleichmäßigkeit, Blendungsbegrenzung, Farbwiedergabe, Einschaltzeiten, Mindestbetriebsdauer und die Erkennbarkeit von Sicherheitszeichen.
Die Norm ist eine reine Lichttechnik-Norm. Sie sagt nichts darüber, welche Leuchten, Batterien oder Leitungen verwendet werden und wie oft geprüft wird. Diese Themen regeln andere Normen, die weiter unten erklärt sind. Einen Überblick über das gesamte Regelwerk bietet der Beitrag Normen für Notbeleuchtung.
Gilt EN 1838 in ganz Europa gleich?
Ja. EN 1838 ist eine Norm des Europäischen Komitees für Normung (CEN). Die Mitgliedsländer übernehmen sie unverändert als nationale Norm und setzen nur ihr eigenes Kürzel davor. Inhaltlich sind diese Fassungen identisch:
| Land | Nationale Bezeichnung |
|---|---|
| Deutschland | DIN EN 1838 |
| Österreich | ÖVE/ÖNORM EN 1838 |
| Schweiz | SN EN 1838 |
| Norwegen | NS-EN 1838 |
| Vereinigtes Königreich | BS EN 1838 |
| Frankreich | NF EN 1838 |
| Niederlande | NEN-EN 1838 |
| Belgien | NBN EN 1838 |
Wer also nach „BS EN 1838“ oder „NS EN 1838“ sucht, findet dieselben lichttechnischen Anforderungen wie in der DIN-Fassung. Unterschiede zwischen den Ländern liegen nicht in der Norm, sondern in den nationalen Vorschriften, die festlegen, wo Notbeleuchtung gefordert ist und wie lange sie leuchten muss. Mehr dazu unter Notbeleuchtung in Europa.
Und ISO 30061?
Auf internationaler Ebene gibt es mit ISO 30061 eine Norm zur Notbeleuchtung, die zugleich als CIE S 020 der Internationalen Beleuchtungskommission veröffentlicht ist. Sie behandelt dieselben Grundfragen wie EN 1838, also Rettungswegbeleuchtung, Antipanikbeleuchtung, Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung und Sicherheitszeichen. In Europa ist für Planung und Abnahme jedoch die EN 1838 in ihrer nationalen Fassung maßgeblich.
Welche Arten der Sicherheitsbeleuchtung unterscheidet die Norm?
DIN EN 1838 teilt die Sicherheitsbeleuchtung in drei Anwendungsfälle auf. Für jeden gelten eigene Mindestwerte, die über die gesamte Bemessungsbetriebsdauer eingehalten werden müssen:
| Bereich | Beleuchtungsstärke | Gleichmäßigkeit | Einschaltzeit |
|---|---|---|---|
| Rettungswege bis 2 m Breite | mind. 1 lx horizontal am Boden auf der Mittellinie, mittleres Band mind. 50 % davon | Emax : Emin höchstens 40 : 1 | 50 % nach 5 s, 100 % nach 60 s |
| Antipanikbereiche (open area) | mind. 0,5 lx horizontal auf der freien Bodenfläche ohne 0,5 m Randstreifen | Emax : Emin höchstens 40 : 1 | 50 % nach 5 s, 100 % nach 60 s |
| Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung | mind. 10 % der normalen Beleuchtungsstärke, mind. 15 lx | mind. 0,1 (Emin : Emittel) | 100 % dauerhaft oder innerhalb von 0,5 s |
| Sicherheitseinrichtungen | mind. 5 lx vertikal am Standort | – | wie Rettungsweg |
Rettungswegbeleuchtung sorgt dafür, dass festgelegte Wege bis zum Ausgang sicher begangen werden können. Antipanikbeleuchtung (im englischen Original open area lighting) gibt in größeren Räumen ohne festgelegte Wege eine Grundhelligkeit, damit Personen einen Rettungsweg erreichen, siehe Antipanikbeleuchtung. Die Beleuchtung von Arbeitsplätzen mit besonderer Gefährdung ermöglicht es, etwa an Maschinen gefährliche Abläufe sicher zu beenden.
Für alle Bereiche fordert die Norm einen Farbwiedergabeindex von mindestens Ra 40, damit Sicherheitsfarben erkennbar bleiben, sowie eine Begrenzung der Blendung. Die Werte im Detail, mit Rechenbeispielen, erklärt der Artikel Beleuchtungsstärke der Notbeleuchtung.
Wie lange muss die Notbeleuchtung leuchten?
DIN EN 1838 nennt für Rettungswege und Antipanikflächen eine Mindestbetriebsdauer von 1 Stunde. Das ist eine Untergrenze. Bauordnungen und Sonderbauvorschriften verlangen für viele Gebäude längere Zeiten, häufig 3 Stunden. An Arbeitsplätzen mit besonderer Gefährdung muss das Licht so lange zur Verfügung stehen, wie die Gefährdung besteht.
Was fordert DIN EN 1838 für Rettungszeichen?
Neben der Raumbeleuchtung regelt die Norm, wann ein beleuchtetes Rettungszeichen ausreichend erkennbar ist. Drei Kriterien sind entscheidend:
- Leuchtdichte: Die grüne Sicherheitsfarbe muss mindestens 2 cd/m² in allen relevanten Blickrichtungen erreichen. Innerhalb einer Farbe darf das Verhältnis von maximaler zu minimaler Leuchtdichte höchstens 10 : 1 betragen.
- Kontrast: Das Leuchtdichteverhältnis von Weiß zu Grün muss zwischen 5 : 1 und 15 : 1 liegen.
- Erkennungsweite: Sie berechnet sich nach d = z × h, also Piktogrammhöhe mal Distanzfaktor. Für angestrahlte Zeichen gilt z = 100, für hinterleuchtete z = 200.
Ein hinterleuchtetes Zeichen mit 15 cm Piktogrammhöhe ist damit bis 30 m erkennbar, ein angestrahltes gleicher Größe bis 15 m. Auch Rettungszeichen müssen nach 5 Sekunden 50 % und nach 60 Sekunden 100 % ihrer Leuchtdichte erreichen. Platzierung und Größenwahl erklärt der Beitrag Rettungszeichen: Erkennungsweite und Platzierung.
Wo verlangt die Norm zusätzliche Leuchten?
Unabhängig von den Abständen fordert DIN EN 1838 an bestimmten Stellen eine Sicherheitsleuchte in der Nähe, in der Regel höchstens 2 m horizontal entfernt. Diese Pflichtstandorte bilden das Gerüst jeder Planung:
- an jeder Ausgangstür, die im Notfall benutzt werden soll,
- an Treppen, sodass jede Stufe direktes Licht erhält,
- an jeder anderen Niveauänderung, etwa Rampen oder einzelnen Stufen,
- an jedem Richtungswechsel und jeder Kreuzung von Fluren,
- an Feuerlöschern, Handfeuermeldern und anderen Brandbekämpfungs- und Meldeeinrichtungen,
- an Erste-Hilfe-Stellen,
- außen vor jedem Endausgang, damit Personen den Weg bis in einen sicheren Bereich finden.
Sicherheitsleuchten werden nach DIN EN 1838 mindestens 2 m über dem Boden montiert. Erst wenn alle Pflichtstandorte belegt sind, wird geprüft, ob die Abstände dazwischen für die geforderten Lux-Werte reichen.
Praxistipp: Vergessen werden in der Planung am häufigsten der Bereich außen vor dem Endausgang, einzelne Stufen oder Rampen und Feuerlöscher abseits der Flure. Gehen Sie diese Stellen gezielt im Grundriss und vor Ort ab.
Wie hängen EN 1838, EN 50172 und weitere Normen zusammen?
DIN EN 1838 ist nur ein Baustein. Die Aufgaben sind klar verteilt:
| Regelwerk | Aufgabe |
|---|---|
| DIN EN 1838 | Lichttechnik: wie hell, wie gleichmäßig, wie schnell, wie lange, Erkennbarkeit von Zeichen |
| DIN EN 50172 (VDE 0108-100):2024-10 | Anlage: Planung, Errichtung, Betrieb, Prüfung, Dokumentation |
| DIN EN 60598-2-22 | Produktnorm für die Notleuchte selbst |
| DIN EN ISO 7010 | Gestaltung und Bedeutung der Sicherheitszeichen |
| Bau- und Arbeitsstättenrecht | Ob und wo Notbeleuchtung erforderlich ist |
Für Betreiber besonders wichtig ist DIN EN 50172 (VDE 0108-100):2024-10. Sie verlangt eine monatliche Funktionsprüfung, eine jährliche Prüfung über die volle Bemessungsbetriebsdauer und alle 5 Jahre eine Messung der Beleuchtungsstärke. Bei dieser Messung wird kontrolliert, ob die Werte der DIN EN 1838 im Betrieb tatsächlich erreicht werden. Die Übergangsfrist für die Vorgängerdokumente läuft bis zum 27. Mai 2027. Selbstprüfende Leuchten, etwa die der NOTLUX Serie 19, führen Funktions- und Betriebsdauertest automatisch durch und dokumentieren die Ergebnisse per App. Die Fristen im Detail stehen unter Prüffristen für Notbeleuchtung.
Ob ein Gebäude überhaupt Notbeleuchtung braucht, ergibt sich in Deutschland aus Arbeitsstättenrecht (ASR A2.3, ASR A3.4) und Bauordnungsrecht mit seinen Sonderbauvorschriften. Maßgeblich für ein konkretes Objekt sind Baugenehmigung, Brandschutzkonzept und Gefährdungsbeurteilung.
Häufige Fragen
Was regelt DIN EN 1838?
DIN EN 1838 legt die lichttechnischen Anforderungen an Notbeleuchtung fest: Beleuchtungsstärken, Gleichmäßigkeit, Farbwiedergabe, Blendungsbegrenzung, Einschaltzeiten, Mindestbetriebsdauer und die Erkennbarkeit beleuchteter Sicherheitszeichen. Sie regelt nicht, ob Notbeleuchtung erforderlich ist und wie oft geprüft wird.
Sind BS EN 1838, NS-EN 1838 und DIN EN 1838 unterschiedlich?
Nein. Es handelt sich um nationale Übernahmen derselben europäischen Norm EN 1838 mit identischem Inhalt. Unterschiede gibt es nur bei den nationalen Vorschriften, die festlegen, wo Notbeleuchtung gefordert ist.
Wie viel Lux fordert DIN EN 1838 für Fluchtwege?
Mindestens 1 lx horizontal am Boden auf der Mittellinie von Rettungswegen bis 2 m Breite. Das mittlere Band muss mindestens 50 % davon erreichen, und das Verhältnis von größter zu kleinster Beleuchtungsstärke darf 40 : 1 nicht überschreiten.
Was ist der Unterschied zwischen EN 1838 und EN 50172?
EN 1838 beschreibt, welches Licht die Sicherheitsbeleuchtung liefern muss. EN 50172, in Deutschland DIN EN 50172 (VDE 0108-100):2024-10, regelt die Anlage: Planung, Errichtung, Betrieb, Prüfungen und Dokumentation, einschließlich der Messung der Beleuchtungsstärke alle 5 Jahre.
Was ist ISO 30061?
ISO 30061 ist eine internationale Norm zur Notbeleuchtung, die auch als CIE S 020 veröffentlicht ist. Sie behandelt dieselben Grundfragen wie EN 1838. In Europa ist für Planung und Abnahme die nationale Fassung der EN 1838 maßgeblich.
Wie schnell muss die Notbeleuchtung nach DIN EN 1838 angehen?
Rettungswegbeleuchtung und Antipanikbeleuchtung müssen nach 5 Sekunden 50 % und nach 60 Sekunden 100 % der geforderten Beleuchtungsstärke erreichen. An Arbeitsplätzen mit besonderer Gefährdung muss die volle Beleuchtungsstärke dauerhaft vorhanden sein oder innerhalb von 0,5 Sekunden erreicht werden.
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