Technik

Selbsttest bei Notleuchten: automatische Prüfung nach EN 62034

7 Min. LesezeitStand: Oktober 2026Redaktion NOTLUX · TRiALED GmbH
Kurz gesagt

Selbstprüfende Notleuchten führen die monatliche Funktionsprüfung und die jährliche Betriebsdauerprüfung automatisch durch, speichern das Ergebnis und melden Fehler über eine Status-LED, eine Zentrale oder eine App. Grundlage ist DIN EN 62034 für automatische Prüfsysteme batteriebetriebener Sicherheitsbeleuchtung. Die Prüfpflicht des Betreibers entfällt dadurch nicht: Sichtkontrolle, Auswertung der Ergebnisse, Mängelbeseitigung und Dokumentation bleiben Aufgabe des Menschen.

Was ist ein Selbsttest bei Notleuchten?

Ein Selbsttest ist eine in die Notleuchte oder das Notlichtsystem integrierte Funktion, die die vorgeschriebenen Prüfungen ohne manuelles Auslösen durchführt und das Ergebnis anzeigt oder speichert. Die Anforderungen an solche Systeme legt DIN EN 62034 fest, die europäische Norm für automatische Prüfsysteme für batteriebetriebene Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege. Die Prüfintervalle selbst stammen aus DIN EN 50172 und DIN VDE V 0108-100-1: monatlich eine Funktionsprüfung, jährlich eine Prüfung über die volle Bemessungsbetriebsdauer. Details zu den Fristen im Beitrag Prüffristen für Notbeleuchtung.

Selbsttests kommen vor allem bei Einzelbatterieleuchten zum Einsatz, bei denen jede Leuchte ihren eigenen Akku hat. Zentralbatterieanlagen verfügen in der Regel über eine eigene Überwachung in der Zentrale.

Wie läuft ein automatischer Selbsttest ab?

Funktionstest (monatlich)

Die Leuchte trennt sich intern für kurze Zeit von der Netzversorgung und schaltet auf Akkubetrieb. Die Elektronik prüft, ob Leuchtmittel, Umschaltung und Akku arbeiten. Der Test dauert nur wenige Sekunden bis Minuten und entlädt den Akku kaum.

Betriebsdauertest (jährlich)

Die Leuchte läuft im Notbetrieb, bis die Bemessungsbetriebsdauer erreicht ist, etwa eine oder drei Stunden. Erreicht sie die Dauer nicht, meldet sie einen Akkufehler. Anschließend lädt der Akku wieder; nach DIN EN 60598-2-22 muss die Bemessungsbetriebsdauer nach 24 Stunden Ladezeit wieder zur Verfügung stehen. Gute Systeme versetzen die Dauertests benachbarter Leuchten zeitlich oder lassen sich auf risikoarme Zeiten wie Nacht oder Wochenende programmieren.

Ergebnis und Meldung

Das Ergebnis wird je nach System auf drei Wegen sichtbar:

ÜberwachungsartWie Fehler gemeldet werdenTypischer Einsatz
Status-LED an der LeuchteFarbe oder Blinkmuster, z. B. grün für betriebsbereit, rot für FehlerKleine Objekte, gut zugängliche Leuchten
Zentrale Überwachung (Bus oder Funk)Meldung an einer zentralen Stelle, oft mit Leuchtennummer und FehlerartGrößere Gebäude, viele Leuchten
Bluetooth und AppAuslesen der Leuchten per Smartphone, Prüfprotokoll als ExportKleine bis mittlere Objekte, Wartung durch Fachfirma

Die Bedeutung der LED-Farben ist herstellerspezifisch. Was eine rot blinkende oder dauerhaft leuchtende Anzeige typischerweise bedeutet, erklärt der Beitrag Notleuchte blinkt rot.

Was muss trotz Selbsttest manuell erledigt werden?

Ein automatisches Prüfsystem ersetzt die elektrische Funktions- und Betriebsdauerprüfung, nicht die gesamte Betreiberpflicht. Weiterhin erforderlich sind:

  • Sichtkontrolle: Sind Leuchten beschädigt, verschmutzt oder verdeckt, etwa durch Regale, Deko oder Umbauten? Stimmen Rettungszeichen und Fluchtrichtung noch?
  • Auswertung der Ergebnisse: Jemand muss Status-LEDs, Zentrale oder App regelmäßig ansehen. Bei reiner LED-Anzeige bedeutet das weiterhin einen Rundgang.
  • Mängelbeseitigung: Gemeldete Fehler, etwa ein schwacher Akku, müssen zeitnah durch eine Elektrofachkraft behoben werden.
  • Dokumentation: Testergebnisse, Sichtkontrollen und Reparaturen gehören ins Prüfbuch. Automatische Protokolle sind ein wichtiger Baustein, aber nicht das ganze Prüfbuch.
  • Wiederkehrende Prüfungen: Elektroprüfungen und in Sonderbauten die Prüfung durch Prüfsachverständige bleiben bestehen.

Praxistipp: Legen Sie einen festen Termin fest, an dem die Selbsttest-Ergebnisse ausgewertet und ins Prüfbuch übernommen werden, etwa in der ersten Woche jedes Monats. Ein Selbsttest, dessen Fehlermeldung niemand liest, bringt keine Sicherheit.

Vor- und Nachteile selbstprüfender Notleuchten

VorteileNachteile und Grenzen
Prüfungen finden pünktlich statt, auch wenn niemand Zeit hatHöherer Anschaffungspreis je Leuchte als bei Leuchten ohne Selbsttest
Deutlich weniger Begehungen und Arbeitszeit, besonders bei hoch montierten LeuchtenBei reiner LED-Anzeige bleibt ein Rundgang zum Ablesen nötig
Fehler werden früh erkannt statt erst beim nächsten RundgangSichtkontrolle und Mängelbeseitigung bleiben manuell
Protokolle entstehen automatisch, weniger ÜbertragungsfehlerSysteme verschiedener Hersteller sind oft nicht kompatibel
Dauertests lassen sich zeitlich staffelnEin schlecht programmierter Dauertest kann zur Nutzungszeit laufen

Bei einer Anlage mit 80 Leuchten fallen ohne Selbsttest 960 monatliche Funktionsprüfungen im Jahr an. Mit automatischem Prüfsystem und App-Auslesung reduziert sich der Aufwand im Wesentlichen auf das Auswerten, die Sichtkontrolle und die Instandsetzung.

Selbsttest per Bluetooth und App

Bei app-basierten Systemen kommuniziert jede Leuchte per Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet. Die Wartungsperson sieht den Status aller Leuchten in Reichweite, kann Tests auslösen und ein Prüfprotokoll exportieren. Vorteil gegenüber Bussystemen: Es ist keine zusätzliche Steuerleitung nötig, was besonders im Bestand Aufwand spart.

Die Leuchten der NOTLUX Serie 19 arbeiten nach diesem Prinzip: Einzelbatteriesystem mit integriertem LiFePO4-Akku, automatischer Funktionstest monatlich und Betriebsdauertest jährlich nach EN 50172 und EN 62034, Steuerung und Prüfprotokoll-Export über Bluetooth und App. Zur Serie gehören unter anderem Rettungszeichenleuchten und Notstromtreiber für bestehende LED-Leuchten.

Lassen sich bestehende Anlagen nachrüsten?

Ja, je nach Ausgangslage auf unterschiedlichen Wegen:

  • Leuchtentausch: Alte Einzelbatterieleuchten werden durch neue Leuchten mit Selbsttest ersetzt. Das ist oft sinnvoll, wenn ohnehin Akkus oder Leuchtstofflampen am Ende ihrer Lebensdauer sind.
  • Notstromtreiber mit Selbsttest: Vorhandene LED-Allgemeinbeleuchtung wird mit einem Notstromtreiber zur Sicherheitsleuchte erweitert, sofern Leuchte und Treiber für die Kombination geeignet sind und die lichttechnischen Anforderungen nach DIN EN 1838 erfüllt werden.
  • Vernetzung: Leuchten mit Selbsttest lassen sich je nach System über Funk, Bluetooth oder DALI (für Einzelbatterie-Notlicht in IEC 62386-202 beschrieben) zentral überwachen.

Welcher Weg wirtschaftlich ist, hängt von Alter, Zustand und Systemtyp der Anlage ab. Einen Überblick gibt der Beitrag Notbeleuchtung modernisieren; die Unterschiede der Systeme erklärt Einzelbatterie oder Zentralbatterie.

Häufige Fragen

Welche Norm gilt für selbstprüfende Notleuchten?

DIN EN 62034 legt die Anforderungen an automatische Prüfsysteme für batteriebetriebene Sicherheitsbeleuchtung fest. Die Prüfintervalle ergeben sich aus DIN EN 50172 und DIN VDE V 0108-100-1, die Anforderungen an die Leuchte selbst aus DIN EN 60598-2-22.

Muss ich bei Notleuchten mit Selbsttest noch prüfen?

Ja. Die automatischen Tests ersetzen die elektrische Funktions- und Betriebsdauerprüfung. Sichtkontrolle, Auswertung der Ergebnisse, Mängelbeseitigung und Dokumentation im Prüfbuch bleiben Pflicht des Betreibers.

Wann führt eine selbstprüfende Notleuchte den Dauertest durch?

Einmal jährlich, je nach System zu einem festen oder programmierbaren Zeitpunkt. Sinnvoll sind risikoarme Zeiten wie Nacht oder Wochenende und eine zeitliche Staffelung benachbarter Leuchten, weil der Akku danach bis zu 24 Stunden zum Wiederaufladen braucht.

Was bedeutet die Status-LED an einer Notleuchte?

Die Status-LED zeigt Betriebsbereitschaft, Ladevorgang oder Fehler an, häufig grün für in Ordnung und rot oder blinkend für einen Fehler. Die genaue Bedeutung ist herstellerspezifisch und steht in der Bedienungsanleitung.

Kann ich alte Notleuchten mit Selbsttest nachrüsten?

Teilweise. Häufig ist der Tausch gegen neue selbstprüfende Leuchten wirtschaftlicher, besonders wenn Akkus ohnehin fällig sind. Vorhandene LED-Leuchten lassen sich je nach Eignung mit einem Notstromtreiber mit Selbsttest zur Sicherheitsleuchte erweitern.

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