Technik

Zentralbatterieanlage: Aufbau, Anforderungen und Prüfung

8 Min. LesezeitStand: Oktober 2026Redaktion NOTLUX · TRiALED GmbH
Kurz gesagt

Eine Zentralbatterieanlage ist eine Sicherheitsstromversorgung, die alle angeschlossenen Sicherheits- und Rettungszeichenleuchten eines Gebäudes aus einer gemeinsamen Batterie in einem eigenen Raum versorgt. Sie besteht aus Batterie, Ladegerät, Umschalteinrichtung, Überwachung und Stromkreisverteilung und ist als Produkt in DIN EN 50171 geregelt, die zwischen CPS (Zentralbatterie) und leistungsbegrenzter LPS (Gruppenbatterie) unterscheidet. Typische Folgeanforderungen sind ein baulich geschützter Batterieraum und Leitungen mit Funktionserhalt zu den Leuchten, je nach Bauordnungsrecht.

Was ist eine Zentralbatterieanlage?

Eine Zentralbatterieanlage ist eine zentrale Sicherheitsstromversorgung für Notbeleuchtung: Statt dass jede Leuchte einen eigenen Akku hat, versorgt eine gemeinsame Batterie über ein eigenes Leitungsnetz alle angeschlossenen Leuchten. Im Sprachgebrauch heißen solche Systeme auch Notlichtanlage, Sicherheitsbeleuchtungsanlage oder ZB-Anlage.

DIN EN 50171 ist die Produktnorm für zentrale Stromversorgungssysteme und unterscheidet zwei Varianten:

VarianteBezeichnung nach DIN EN 50171MerkmalTypischer Einsatz
ZentralbatterieanlageCPS (Central Power Supply System)ohne Leistungsbegrenzungganze Gebäude oder große Gebäudeteile mit vielen Leuchten
GruppenbatterieanlageLPS (Low Power Supply System)leistungsbegrenztkleinere Gebäude oder abgegrenzte Bereiche

Die Gruppenbatterie ist also die kleinere Variante desselben Prinzips. Den Vergleich mit Leuchten, die ihren Akku selbst mitbringen, finden Sie unter Einzelbatterie oder Zentralbatterie; wie eine solche Leuchte funktioniert, erklärt der Beitrag Einzelbatterieleuchte.

Aus welchen Komponenten besteht eine Zentralbatterieanlage?

KomponenteAufgabe
BatterieSpeichert die Energie für die gesamte Bemessungsbetriebsdauer aller angeschlossenen Leuchten, häufig als Blei-Batterie in einem Batterieschrank oder -gestell
LadegerätHält die Batterie im Normalbetrieb geladen und lädt sie nach einer Entladung wieder auf
UmschalteinrichtungSchaltet bei Netzausfall automatisch von Netz- auf Batterieversorgung und bei Netzwiederkehr zurück
ÜberwachungÜberwacht Netz, Batterie, Ladegerät, Stromkreise und bei vielen Anlagen jede einzelne Leuchte; meldet Störungen zentral
StromkreisverteilungVerteilt die Energie auf die Endstromkreise, oft über Unterstationen in den Brandabschnitten

Hinzu kommen Steuerfunktionen: Über die Anlage lassen sich Leuchten in Dauer- oder Bereitschaftsschaltung betreiben, und Netzwächter in den Unterverteilungen der Allgemeinbeleuchtung sorgen dafür, dass die Sicherheitsbeleuchtung auch einschaltet, wenn nur die Versorgung eines Bereichs ausfällt. Viele Anlagen lassen sich an die Gebäudeleittechnik anbinden.

Wie funktioniert eine Zentralbatterieanlage?

Im Normalbetrieb werden die Leuchten aus dem Netz versorgt, das Ladegerät hält die Batterie voll. Fällt die allgemeine Stromversorgung aus, schaltet die Anlage auf Batteriebetrieb, und alle angeschlossenen Leuchten werden über das Sicherheitsstromnetz versorgt. Kehrt das Netz zurück, schaltet die Anlage zurück, und das Ladegerät lädt die Batterie wieder auf.

Die Leuchten selbst enthalten keinen Akku. Sie sind deshalb im Notfall darauf angewiesen, dass die Batterie, die Anlage und die Leitungen bis zur Leuchte funktionieren. Daraus ergeben sich die besonderen baulichen Anforderungen.

Welche baulichen Anforderungen gelten?

Zwei Punkte prägen Planung und Kosten einer Zentralbatterieanlage:

  • Batterieraum bzw. elektrischer Betriebsraum: Die Anlage steht in der Regel in einem eigenen Raum, der baulich abgetrennt, brandschutztechnisch geschützt und ausreichend belüftet sein muss. In Deutschland ergeben sich die Anforderungen aus den Verordnungen der Länder über elektrische Betriebsräume (Muster-EltBauVO bzw. Landesrecht). Bei Blei-Batterien ist die Lüftung besonders wichtig, weil beim Laden Gase entstehen können.
  • Funktionserhalt der Leitungen: Die Leitungen von der Anlage zu den Leuchten müssen im Brandfall eine bestimmte Zeit funktionsfähig bleiben. In Deutschland regelt das die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) in der von den Ländern eingeführten Fassung als Leitungsanlagen-Richtlinie. Umgesetzt wird der Funktionserhalt typischerweise mit Kabelanlagen einer Funktionserhaltklasse wie E30, je nach Bauordnungsrecht, Leitungsführung und Brandabschnitten.

Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, ergibt sich aus Baugenehmigung und Brandschutzkonzept. Einen Überblick über die Regelwerke gibt der Beitrag Normen für Notbeleuchtung.

Wie wird eine Zentralbatterieanlage geprüft?

Die Prüfpflichten ergeben sich aus DIN EN 50172 (VDE 0108-100):2024-10, die die frühere Vornorm DIN VDE V 0108-100-1 ersetzt (Übergangsfrist bis 27.05.2027):

IntervallPrüfung
Täglich (je nach festgelegter Prüfgrundlage)Ablesen der Betriebs- und Störungsanzeigen an der Anlage
MonatlichFunktionsprüfung: Umschalten auf Batteriebetrieb, alle Leuchten leuchten, Rückschaltung in den Normalbetrieb, Anzeigen in Ordnung
JährlichBetriebsdauerprüfung über die volle Bemessungsbetriebsdauer
Alle 5 JahreMessung der Beleuchtungsstärke im Notbetrieb

Bei Bestandsanlagen können objektbezogen noch ältere Anforderungen gelten, zum Beispiel wöchentliche Prüfungen nach der früheren Vornorm, wenn Baugenehmigung, Prüfbescheid oder Brandschutzkonzept darauf verweisen. Legen Sie die Prüfgrundlage fest und dokumentieren Sie sie im Prüfbuch. Alle Fristen und wer sie übernimmt, stehen unter Prüffristen für Notbeleuchtung.

Moderne Anlagen führen Funktions- und Dauertests automatisch aus und protokollieren die Ergebnisse. Ablesen, Auswerten und Mängelbeseitigung bleiben Aufgabe des Betreibers und seiner Elektrofachkraft. In Sonderbauten kommen je nach Landesrecht Prüfungen durch Prüfsachverständige hinzu.

Praxistipp: Nach dem jährlichen Dauertest ist die Zentralbatterie entladen und versorgt im Ernstfall alle Leuchten gleichzeitig nicht mehr voll. Planen Sie den Test außerhalb der Nutzungszeit und lassen Sie genügend Zeit zur Wiederaufladung, bevor das Gebäude wieder genutzt wird.

Wann muss die Batterie getauscht werden?

Auch die Zentralbatterie ist ein Verschleißteil. Sie verliert mit den Jahren Kapazität, beschleunigt durch erhöhte Raumtemperatur. Die Lebensdauer hängt von Batterietyp, Betriebsbedingungen und Herstellerangabe ab. Spätestens wenn der jährliche Dauertest zeigt, dass die Bemessungsbetriebsdauer nicht mehr sicher erreicht wird, ist ein Tausch fällig.

Anders als bei Einzelbatterieleuchten wird dabei die komplette Batterie einer Anlage auf einmal ersetzt. Das ist planbar, bedeutet aber eine größere Einzelinvestition und während des Tauschs Ersatzmaßnahmen. Wie Akkus altern und warum das kritisch ist, erklärt der Beitrag Akku der Notleuchte.

Wann ist eine Zentralbatterieanlage sinnvoll?

Zentrale Systeme spielen ihre Stärken aus, wenn viele Leuchten zentral überwacht werden sollen und der bauliche Aufwand ohnehin anfällt:

  • Große Gebäude mit vielen Leuchten: Wartung und Batterietausch konzentrieren sich an einem Ort.
  • Sonderbauten: In Krankenhäusern, Versammlungsstätten oder großen Verkaufsstätten gibt das Brandschutzkonzept teils zentrale Lösungen vor oder macht sie naheliegend.
  • Ungünstige Umgebungsbedingungen an den Leuchten: Bei sehr hohen oder niedrigen Temperaturen sitzt die Batterie geschützt in einem temperierten Raum.
  • Neubau mit geplantem Batterieraum: Funktionserhaltverkabelung und Raum lassen sich von Anfang an einplanen.

In kleinen und mittleren Gebäuden, im Bestand und bei häufigen Nutzungsänderungen sind dagegen Einzelbatterieleuchten oft wirtschaftlicher, weil Batterieraum und Funktionserhaltverkabelung entfallen.

Was tun, wenn die Zentralbatterieanlage in die Jahre kommt?

Bei älteren Anlagen stehen häufig mehrere Entscheidungen gleichzeitig an: Die Batterie ist am Ende, die Zentrale ist technisch veraltet, Ersatzteile werden knapp oder die Leuchten arbeiten noch mit Leuchtstofflampen. Grundsätzlich gibt es zwei Wege:

WegWas passiertWorauf zu achten ist
Batterie oder Zentrale erneuernNeue Batterie bzw. neues Zentralgerät, vorhandenes Leitungsnetz und Batterieraum werden weiter genutztZustand des Leitungsnetzes, Kompatibilität mit vorhandenen Leuchten, Anforderungen an den Raum
Umstieg auf EinzelbatterieLeuchten mit eigenem Akku oder Notstromtreiber in vorhandenen LED-Leuchten ersetzen die zentrale VersorgungNeue Planung nach DIN EN 1838, Abstimmung mit Brandschutzkonzept, Rückbau oder Weiternutzung des alten Netzes

Welcher Weg wirtschaftlich ist, zeigt nur eine Betrachtung über die gesamte Nutzungsdauer. NOTLUX klärt das bei einer kostenlosen Bestandsaufnahme vor Ort. Weitere Hinweise zu Modernisierungen gibt der Beitrag Notbeleuchtung modernisieren.

Häufige Fragen

Was ist eine Zentralbatterieanlage?

Eine Zentralbatterieanlage ist eine Sicherheitsstromversorgung, die alle angeschlossenen Notleuchten eines Gebäudes aus einer gemeinsamen Batterie versorgt. Sie steht in einem eigenen Raum und ist über ein eigenes Leitungsnetz mit den Leuchten verbunden. Die Produktnorm ist DIN EN 50171.

Was ist der Unterschied zwischen CPS und LPS?

DIN EN 50171 unterscheidet zentrale Stromversorgungssysteme ohne Leistungsbegrenzung (CPS, Zentralbatterie) und leistungsbegrenzte Systeme (LPS, Gruppenbatterie). Die Gruppenbatterie ist die kleinere Variante und wird für kleinere Gebäude oder abgegrenzte Bereiche eingesetzt.

Braucht eine Zentralbatterieanlage einen eigenen Raum?

In der Regel ja. Die Anlage steht in einem baulich abgetrennten, belüfteten elektrischen Betriebsraum; die Anforderungen ergeben sich in Deutschland aus den Verordnungen der Länder. Maßgeblich sind Baugenehmigung und Brandschutzkonzept.

Wie oft muss eine Zentralbatterieanlage geprüft werden?

Nach DIN EN 50172 (VDE 0108-100):2024-10 monatlich auf Funktion, jährlich über die volle Bemessungsbetriebsdauer und alle 5 Jahre mit Messung der Beleuchtungsstärke. Je nach festgelegter Prüfgrundlage kommt ein tägliches Ablesen der Anzeigen hinzu; für Bestandsanlagen können ältere Anforderungen gelten.

Wie lange hält die Batterie einer Zentralbatterieanlage?

Das hängt von Batterietyp, Raumtemperatur und Herstellerangabe ab. Maßgeblich ist der jährliche Dauertest: Erreicht die Anlage die Bemessungsbetriebsdauer nicht mehr sicher, muss die Batterie getauscht werden.

Kann man eine Zentralbatterieanlage durch Einzelbatterieleuchten ersetzen?

Ja, das ist bei Modernisierungen eine häufige Option, sofern Baugenehmigung und Brandschutzkonzept das zulassen. Dafür ist eine neue Planung nach DIN EN 1838 nötig; vorhandene LED-Leuchten lassen sich teils mit Notstromtreibern einbinden.

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